Mittwoch, 5. Oktober 2016

Lange Freude an Topfkräutern

Im Frischeregal im Supermarkt findet man oft Schnittlauch, Petersilie und viele andere Kräuter als wachsende Pflanzen in kleinen Töpfen - sogar mit Bio-Siegel. Sie werden gerne gekauft, denn sie versprechen Gesundheit, Frische und Aroma für mehrere Mahlzeiten. Doch oft werden sie zuhause nur einmal geerntet und vegetieren dann vor sich hin, bis sie im Mülleimer oder auf dem Komposthaufen landen. Wie man es besser machen kann - Tipps für Hobbygärtner, Köche, Urban Gardener und alle anderen Kräuterfans


Dieser Schnittlauch und der Thymian stammen ursprünglich aus dem Supermarkt
und stehen nun schon jahrelang auf der Terrasse.
Vielen Menschen widerstrebt es, lebende Pflanzen als Wegwerfware zu behandeln, sie wollen nachhaltig konsumieren. Kräutertöpfe vom Gärtner, aus dem Gartencenter oder dem Supermarkt muss man auch nicht schon nach einer Ernte wegwerfen. Mit ein paar Tipps kann man an ihnen jahrelang Freude haben und mit ihren Blättern Salate, Suppen und Soßen verzieren und würzen.

Was nicht funktioniert

Die Kräuter in den Plastiktöpfchen aus dem Supermarkt stehen zu lassen und das Beste zu hoffen, funktioniert nie. Das liegt daran, dass diese Töpfe zu klein sind; der Erdevorrat darin ist zu gering und zu ausgelaugt, um ein brauchbarer Puffer für Wasser und Nährstoffe zu sein.

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Kräutertöpfe für viele Ernten - so geht's:

  1. Schon beim Einkaufen sollte man darauf achten, dass man gesunde, frische Pflanzen erwischt. Sie sollten noch nicht lange im Verkauf stehen, denn dort sind sie meist zu eng und in zu kleinen Töpfen aufgestellt. Der Platz ist oft zu warm oder zu kalt und sie werden mit allen anderen Pflanzen "Pi mal Daumen" gegossen. Optimal wäre, wenn man die Liefertage des Ladens kennt und kurz nach der Belieferung einkaufen kann.
  2. Petersilie und Schnittlauch sollte man möglichst bald ernten – dazu werden sie zwei bis drei Zentimeter über der Erde  abgeschnitten. Was zu viel ist, kann man bis zum Verzehr einfrieren. 
  3. Dann sollte man den Wurzelstock bzw. bei anderen Kräutern wie Rosmarin, Salbei oder Thymian die Pflanzen, wie sie sind oder etwas eingekürzt, umtopfen. Dazu wird der Topfballen aus dem alten Plastiktopf vorsichtig herausgelöst und die Pflanze in einen etwa doppelt so großen Tontopf mit frischer Gemüsepflanzen- oder Kräutererde eingetopft. Alternativ kann man die Pflanze auch in einen Blumenkasten, eine Pflanzkiste, ein Tischbeet, ein Hochbeet oder in ein Bodenbeet im Gemüsegarten pflanzen.
  4. Nach dem Umtopfen wird sofort angegossen, damit die Erde an die Wurzeln geschlämmt wird - das kann man draußen auf dem Rasen oder drinnen in einem Waschbecken oder einer Schüssel machen. Wichtig ist nur, dass die Erde gut durchnässt wird, aber das überschüssige Wasser ablaufen kann.
  5. Nun erhalten die Kräutertöpfe einen Untersetzer und einen hellen Platz - je nach Jahreszeit draußen oder drinnen auf der Fensterbank (oder einem Platz mit Pflanzenlicht). Gegossen wird nach Bedarf.
  6. Beginnend nach etwa zwei Wochen wird gelegentlich mit einem organischen Dünger gedüngt - es gibt beispielsweise flüssigen Bio-Gemüse-/Kräuterdünger*, den man dem Gießwasser beimischen kann.
  7. Überschüssiges Gießwasser vor allem bei trübem Wetter nicht im Untersetzer stehen lassen, sondern ausgießen.
  8. Schnittlauch und Petersilie treiben meist sehr schnell neu durch, man gießt und düngt sie, bis sie wieder wieder erntereif sind. Dann muss man sie aber nicht mehr komplett abernten, sondern schneidet ab, was man gerade braucht. 
  9. Strauchartig wachsende Kräuter wie Salbei, Rosmarin oder Thymian wachsen nach dem Umtopfen auch schneller als vorher. Will man, dass sie buschig bleiben, kürzt man die Triebe ein. Der Nachtrieb ist dann auch weicher und oft besser zu verarbeiten.
  10. Nun kann man immer wieder ernten. 
Dieser Rosmarin steht auch im Winter draußen,
allerdings direkt vor dem Fenster auf der Südseite.

Überwinterung von Topfkräutern

Frostempfindliche Arten wie Basilikum können im Sommer draußen stehen, aber vor dem Frost müssen sie reingeholt und drinnen auf einer hellen Fensterbank aufgestellt werden.

Diese Kräuter kann ich bei mir (Südseiten-Terrasse) draußen überwintern: Schnittlauch und Thymian stehen bei mir ganzjährigig in einem Topfregal. Rosmarin und Salbei werden draußen direkt vor dem bodentiefen Fenster überwintert - was allerdings ein gewisses Risiko birgt; sicherer ist es, mediterrane Kräuter wie Rosmarin und Salbei wie mediterrane Zier-Kübelpflanzen frostfrei und hell in einem Gewächshaus oder auf einer hellen Fensterbank in einem ungeheizten Zimmer zu überwintern.

Bei Extremtemperaturen erhalten meine Pflanzen kurzfristig zusätzlichen Schutz, vor allem nachts, durch Vlies, Plastikhauben, Papiertüten, Zeitungspapier oder Kübelpflanzenschutz*. Tagsüber – vor allem, wenn es über Null Grad ist, entferne ich den Schutz.

Wichtiger Überwinterungstipp:
Bei der Überwinterung darauf achten, dass die Wurzelballen nie völlig austrocknen - auch nicht im eisigen, frostttrockenen Februar, andererseits sollen die Pflanzen aber auch nicht in nasser Erde stehen - da braucht man ein wenig Gefühl für das richtige Maß.



* Werbelink

1 Kommentar:

  1. Hallo Eva, ich ziehe Küchenkräuter hydroponisch ;) Technisch klappt das schon, jetzt nur noch Pflanzen verstehen ... Und überwintern ist das nächste Thema. Ich überlege, wie man am besten ein Gewächshaus für den Balkon baut.

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