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Mittwoch, 20. November 2019

Horoskope – Abzocke, Unterhaltung, Glaube oder eine universelle Wahrheit? Mein ziemlich persönlicher Blickwinkel und Einladung zur Blogparade

Können Sternzeichen, die vor Tausenden von Jahren auf Basis der damals beobachtbaren Sternenkonstellationen festgelegt wurden, etwas über Wesenszüge eines Menschen aussagen? Oder kann der Planetenstand darüber Auskunft geben, wie mein seelischer Zustand, mein Liebesleben und mein beruflicher Erfolg nächste Woche sein werden? Ich persönlich glaube nicht an Astrologie, aber trotzdem finde ich Horoskope unterhaltsam und manchmal sogar hilfreich, denn sie können richtig genutzt zu wertvollen Erkenntnissen über sich selbst führen. (Meinung, Kommentar)

Tierkreiszeichen-Mosaik in einer Synagoge aus dem 6. Jahrhundert in Israel. | Bild: Wikimedia Commons | Gemeinfrei

Ich bin eher der wissenschaftliche Typ. Ich glaube nicht an Horoskope. Für mich persönlich ist die Astrologie eine andere Art der Signaturenlehre - diese behauptet, dass Pflanzen beispielsweise durch Ähnlichkeiten zeigen, wofür sie gut sind: Bohnenkerne seien wegen der ähnlichen Form hilfreich bei Nierenleiden, Walnüsse bei Problemen mit dem Gehirn und Brennesseln wegen ihrer behaarten Blätter gegen Haarausfall.

Astrologie und die Signaturenlehre sind meiner Meinung nach Meilensteine der Wissenschaftsgeschichte. Sie zeigen, dass Menschen seit Jahrtausenden beobachten und versuchen, Zusammenhänge zu finden – nicht zuletzt, um das Leben etwas planbarer und sicherer zu machen. So haben wir uns weiterentwickelt.

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Doch heute gibt bessere Methoden als Signaturenlehre oder Astrologie und zutreffendere Erkenntnisse als damals: So wie die Inhaltsstoffe von Pflanzen, die bei empirischen Untersuchungen eine Heilwirkung zeigen, heute bis ins Kleinste analysiert werden und darauf basierend nach anderen Heilpflanzen mit ähnlichen Wirkstoffen gesucht oder darauf basierend Medikamente entwickelt werden können, so beschäftigen sich andere Wissenschaftler, Mediziner, Psychologen, Soziologen heute mit allen (uns heute bekannten) Faktoren, die Charakter, Verhalten, Gesundheit, Lebensqualität und in gewissem Maße die Zukunft eines Menschen prägen – von den Erbanlagen über das soziale Umfeld bis zu Umwelteinflüssen.

Aber auch wir und unsere heutigen Erkenntnisse werden in hundert Jahren wahrscheinlich nur noch ein Stück Wissenschaftsgeschichte sein.

Mein selbst programmiertes, nicht ganz ernst gemeintes Horoskop:
(Zum Horoskop auf das Bild klicken/tippen)

Zum Horoskop hier klicken/tippen


Also sind Horoskope nur Abzocke?

Aus Horoskopen lässt sich viel herauslesen. Weil sie so wage formuliert sind, scheinen sie oft zu stimmen. Leute, die anderen Horoskope verkaufen, glauben entweder selbst daran oder sie wollen aus der Gutgläubigkeit anderer Geld machen.

Als Gartenbau-Ingenieurin und Informatik-Nerd halte ich mich lieber an wissenschaftliche Fakten, statt die Astrologie und andere „Wahrsagerei“ zu romantisieren. Ja, es gibt wahrscheinlich mehr Beziehungen zwischen anderen Himmelskörpern und den Menschen auf der Erde, als Menschen bisher wissen und erfassen können, aber das heißt nicht, dass die Tierkreiszeichen tatsächlich etwas über einen Menschen aussagen oder der Stand der Sterne bestimmt, welches Schicksal wir morgen erfahren (außer bei einem Himmelskörper handelt sich um einen Asteroiden, der gerade auf die Erde zurast).

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Muss man an Horoskope glauben wie an eine Religion?

Meine persönliche Antwort: Ich kann zwar an Gott glauben, weil ich mich dafür entschieden habe beziehungsweise es zulasse, aber nicht an Astrologie. Astrologie ist meiner Meinung nach Geschichte!

[Apropos, Glaube: Ich glaube an Gott, aber nicht an die Bibel: Sie ist für mich ein von Männern geschriebenes Buch voller überlieferter Erzählungen, deren Teile über Jahrtausende entsprechend der jeweiligen Zeit verändert wurden – trotzdem stehen da interessante Dinge drin.

Und Gott ist für mich persönlich weder Mann noch Frau, nicht mal ein Lebewesen, sondern einfach alles. Wobei ich die Vorstellung von einer Wiedervereinigung mit geliebten Menschen und Tieren nach dem Tode tröstlich finde – ich glaube allerdings nicht, dass dieses Wiederfinden in Engelsgestalt mit Flügeln stattfindet, sondern dass man wieder zum Teil des großen Ganzen wird, weil die Bausteine und Energie im ständig neu Entstehenden ewig leben. Und in dem Zustand gibt es nichts Trennendes mehr, weil es kein eigenes trennendes individuelles Bewusstsein mehr gibt. Und Jesus? Für mich ist jedes Lebewesen, das leiden muss, ein Jesus, welches das letztendlich für uns alle tut. Wir müssen dem einen Sinn geben, indem wir daraus lernen, demütig und dankbar zu sein, das Leben zu schätzen, aus eigenen und Fehlern anderer zu lernen und mehr Acht auf sich selbst und andere zu geben. ]

Astrologie und andere Wahrsagerei kann gefährlich sein

Als Jugendliche und jüngere Erwachsene war ich fasziniert davon, Horoskope zu lesen und Handlinien oder Tarotkarten zu deuten – meistens fand ich sie oder Anleitungen in Frauenzeitschriften. Es war für mich in diesem Alter mehr als nur unterhaltsam: Ich hoffte bei jedem Horoskop, dass es mir meine idealen Charaktereigenschaften zuschreiben würde, was mich selbstsicherer machen und mir Ausstrahlung verleihen würde. Ich wollte geliebt werden und suchte Anerkennung über die Bestätigung meiner Tagträume und Wünsche. Aber so wichtig es bei bestimmten Vorhaben ist, am Ball zu bleiben und nicht gleich aufzugeben, wenn es schwierig wird, so ungesund kann es sein, wenn man sich in romantische Träumereien so verstricken lässt, dass man die Realität nicht mehr sieht und reagiert, sondern in unguten Situationen und Mustern verharrt.

Ich habe aber auch eine Erinnerung an eine Wahrsagung, die mir bis heute eine Gänsehaut verursacht: Eine Frau aus der weiter entfernten Verwandtschaft las mir als Jugendliche bei einer Familienfeier die Karten und sagte mir eine beängstigende gesundheitliche Konstellation voraus. Tatsächlich wurde diese Vorhersage real zwar nie diagnostiziert, aber im übertragenen Sinne könnte man - mit viel gutem Willen – einen Aspekt meines Lebens dahingehend interpretieren und ich frage mich, ob das eine sich selbst erfüllende Prophezeiung war. Jedenfalls können meiner Erfahrung nach Wahrsagerei und Horoskope (nicht nur) auf Kinder und Jugendliche eine negative Wirkung haben, wenn man diese damit allein lässt.

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Die Wahrheit hinter den Horoskopen

Fast immer gibt es für die Aussagen in Horoskopen, bei KartenleserInnen und anderen Wahrsagern zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten und je besser das "Medium" vorher über den Klienten oder die Klientin recherchiert hat und aus der Körpersprache und anderer Signale eines Menschen lesen kann, desto treffender werden die Aussagen sein. Doch das hat nichts mit der Astrologie selbst zu tun.

Wenn in einem Zeitschriften-Horoskop beispielsweise steht: „Am Mittwoch kann es turbulent werden. Behalten Sie einen kühlen Kopf.“ Dann kann sich das auf ein entscheidendes Gespräch mit dem Chef beziehen oder auf einen angebrannten Kuchen. Alles ist möglich.

Es kommt darauf an, welche Assoziationen man hat, und was man aus diesen macht.

Man hat meiner Meinung nach den größten Nutzen von Horoskopen und anderen Wahrsagungen, wenn man bewusst reflektiert, was man selbst aus den Zuschreibungen und Vorhersagen heraushört. „Am Mittwoch kann es turbulent werden. Behalten Sie einen kühlen Kopf.“ Bei so einer Ansage werden bei mir persönlich eher Ängste geweckt, in Anforderungen zu ertrinken, und nicht etwa, wie möglicherweise bei jemand anderem, Vorfreude auf Tohuwabohu und reges Leben. Das alleine sagt schon etwas aus. Und ebenfalls, ob man als erstes an eine Situation im Job oder im Privatleben denke. Und an was genau? Daran, dass man morgens vor der Arbeit mehrere Kuchen für die Kollegen backen muss, weil man an dem Tag Geburtstag hat? An die Bahnfahrt zur Arbeit mit einer Freundin, mit der man kürzlich eine kleine Meinungsverschiedenheit hatte? Das wichtige Meeting in der Arbeit, bei dem man einen einführenden Vortrag halten soll? An das Date am Abend mit einer Person, die man schon lange näher kennen lernen wollte?

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Horoskope können also meiner Meinung nach hilfreich sein, wenn man sie nicht als Vorhersage nimmt, sondern als Möglichkeit, zu reflektieren, sich selbst besser kennenzulernen und daraus folgernd entsprechend zu gestalten.

Assoziationen sind hilfreich, etwas über sich zu erfahren, aber auch sie sind nicht der Blick in die Zukunft 

Ja, Intuitionen können manchmal eine Lösung aufzeigen, die das Unterbewusstsein bereits gefunden hat, die aber noch nicht beim Bewusstsein angekommen ist. Es ist aber meiner Erfahrung nach ein Trugschluss, daraus zu folgern, dass auch Träume oder Assoziationen ein Blick auf die noch unbekannte Zukunft sind. Sie sagen zunächst einmal nur etwas über Ängste, innere Kämpfe, Wünsche und Ähnliches aus. Und man hat viele Möglichkeiten, auf die Assoziationen zu reagieren: Beispielsweise kann man den Kuchen am Vorabend backen oder beim Bäcker kaufen, die Freundin bitten, das ausstehende Gespräch um einen Tag zu verschieben, sich auf das Meeting bestmöglich vorbereiten und so weiter.

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Mein Horoskop- und Wahrsager-Fazit

Horoskope und Wahrsagerei können Spaß machen, können aber meiner Meinung nach nicht den Charakter eines Menschen beschreiben oder die Zukunft vorhersagen. Man kann sie jedoch bewusst als Mittel benutzen, sich selbst besser kennenzulernen, entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen und zu reagieren. Mit Kindern und Jugendlichen sollte man über das Thema sprechen, damit sie nicht ausgenutzt oder verletzt werden können.

Zu diesem Artikel hat mich ein Beitrag über Horoskope bei Autorenexpress inspiriert.

Blogparade bis 31.3.2020 (wird eventuell verlängert)
Blogartikel oder YouTube-Vlogbeiträge, die sich auf meinen Artikel über Horoskope und Wahrsagerei beziehen (mit Verlinkung hierher), liste ich gerne hier mit einem Link auf:

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