Montag, 19. August 2019

Zoll und Einfuhrabgaben beim Online-Einkaufen in den USA, China und anderen Nicht-EU-Ländern

So wie man nach dem Urlaub vom Zoll zur Kasse gebeten wird, wenn man mehr Waren mitbringt, als die jeweilige Einfuhr-Freigrenze erlaubt, so muss man auch für Waren, die man online im Nicht-EU-Ausland bestellt, Einfuhrabgaben bezahlen. Hier erfahren Sie, wie das geht und welche Einfuhrabgaben ab welchem Schwellenwert anfallen.

Lieferung von Jeffree Star Cosmetics aus den USA nach Zollabwicklung endlich da
Alles, was aus einem Nicht-EU-Land geliefert wird, wird vom deutschen Zoll kontrolliert. Nur wenn der Warenwert (Produktpreis + Versandkosten, wenn diese in Rechnung enthalten) unter den Schwellenwerten für Einfuhrumsatzsteuer und Zoll liegt und es sich nicht um hochsteuerbare Waren wie Alkohol, Tabakwaren und Kaffee handelt, fallen keinerlei Einfuhrabgaben an.

Im Internet locken die neuesten Elektronik-, Sportmode-, Hautpflege- und Beauty-Artikel aus den USA oder preisgünstiger Haarschmuck, Elektronikzubehör, Bastelbedarf, Boho-Mode, Modeschmuck und vieles andere aus China. Mit einem Klick sind sie im Einkaufswagen. Geht man zur virtuellen Kasse stutzt man kurz angesichts der hohen Versandkosten, an die man nicht gedacht hatte, aber nach einem Schulterzucken und zwei weiteren Klicks sind die Waren bestellt und sogar schon bezahlt (beispielsweise mit Paypal). Dann heißt es warten, denn die Lieferung von soweit her kann dauern – eine Expresslieferung hätte sie zwar beschleunigt, verursacht aber weitere Kosten und ist anscheinend auch nicht bei jedem Anbieter zuverlässig schneller. Also wartet man. Und während man sich fragt, wo die Bestellung denn nun bleibt und ob das eine seriöse Firma war, bei der man bestellt hat, liegt plötzlich ein Schreiben vom Zollamt im Briefkasten. Es folgt das böse Erwachen für alle, die die Forderungen des deutschen Zolls (Einfuhrabgaben) verdrängt hatten.

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Beim Kauf in Nicht-EU-Ländern fallen zusätzliche Kosten an


Verbrauchsteuern
Auf sogenannte hochsteuerbare Waren wie Alkohol, Tabakwaren und Kaffee werden grundsätzlich Verbrauchsteuern erhoben.

Einfuhrumsatzsteuer (EUSt)
19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer (beziehungsweise 7 Prozent bei Lebensmitteln, Büchern oder Gemälden) werden derzeit ab einem Einfuhrwert von 22 Euro (beziehungsweise inoffiziell ab 26,30 Euro, siehe unten bei Kleinbetragsregelung) erhoben. Wenn es sich um ein gelegentliches Geschenk einer Privatperson zu nicht kommerziellen Zwecken handelt, wird erst ab 45 Euro Einfuhrwert eine EUSt fällig. Liegt der Einfuhrwert unter dem Schwellenwert, greift die Zollbefreiungsverordnung (nicht jedoch bei Alkohol, Parfums, Tabak). WICHTIG: Diese Ausnahme fällt ab 1. Juli 2021 bei Einkäufen weg! Die Wertgrenze (für die Befreiung von der Einfuhrumsatzsteuer) von 45 Euro für Geschenke von Privat an Privat bleibt.

Zölle
Zölle werden ab einem Einfuhrwert bzw. Zollwert (Produktwert plus in Rechnung ausgewiesene Versandkosten) von 150 Euro erhoben, falls die Ware zollpflichtig ist. Jede Ware hat einen eigenen Zollsatz (in Prozent), beispielsweise textile Bekleidung: 12 % Zoll, Kosmetikprodukte: 0 bis 6,5 % Zoll, Fantasieschmuck: 4 % Zoll, digitale Fotoapparate/Notebooks: 0 %, Objektive: 6,7 % Zoll.

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Reihenfolge der Berechnung:
  1. Zollbetrag
  2. Verbrauchsteuer
  3. Einfuhrumsatzsteuer (EUst)
Zuerst werden Zollbetrag und Verbrauchsteuer ausgerechnet und diese auf den Warenwert bzw. Zollwert aufgeschlagen. Für die Gesamtsumme wird dann die Einfuhrumsatzsteuer errechnet. Zollbetrag, Verbrauchsteuer und Einfuhrumsatzsteuer werden dann addiert und müssen als Einfuhrabgabe bezahlt werden.

Kleinbetragsregelung
Liegen die errechneten Einfuhrabgaben unter 5 Euro, verzichtet der deutsche Zoll auf die Erhebung. Wenn man das einkalkuliert, beträgt der inoffizielle Schwellenwert zur Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer in Deutschland 26,30 Euro.
WICHTIG: Ab 1. Juli 2021 gibt es eine neue Kleinbetragsregelung: Abgaben von weniger als einem Euro werden nicht erhoben.

Zollbegünstigungen
Für Waren aus manchen Ländern gibt es Zollbefreiungen, dann wird beispielsweise nur die Verbrauchsteuer und/oder lediglich die Einfuhrumsatzsteuer erhoben (Länderliste).

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Meine persönliche Erfahrung als private Konsumentin mit dem Zoll

Aus dem nicht europäischen Ausland habe ich mir bisher beispielsweise bestellt: Sporthandschuhe und Indie-Make-up-Produkte (aus USA), Natur-Gesichtspflegemittel (Kanada), Haarschmuck und Bastelsteine (China). Die Kleinteile aus China waren so günstig, dass ich gar nicht über die 22 Euro kam, aber die Lieferzeit war lang. Anders mit den Produkten aus den USA: Die Lieferzeit war ebenfalls lang bei Standardlieferung (Expresslieferung von Beautylish war dagegen i. d. R. sehr schnell), die Gebühren (Einfuhrumsatzsteuer) nicht unerheblich (wie unsere Umsatzsteuer, man muss sich angewöhnen, beispielsweise Preise in den USA als Nettopreise zu lesen, dann ist man weniger frustriert), und die Aufregung bei jedem Mal groß, denn jedes Mal befürchtete ich, meine bestellten Waren könnten vom Zoll zurückgeschickt werden, weil ich den Termin des Zolls verpasst habe.

Nachtrag am 22.8.2020:
Als ich kürzlich bei Beautylish/USA, einem Retailer für Beauty- und Make-up-Produkte vieler Marken, Make-up-Produkte von Jeffree Star bestellte, wurden die Abgaben von Beautylish während des Kassenvorgangs automatisch errechnet, auf meinen Einkaufpreis aufgeschlagen und von mir als Teil der gesamten Rechnung sofort bezahlt. Beautylish führt die Gebühren für mich ab, so dass ich als Kunde nicht mehr vom Zoll belästigt beziehungsweise meine Ware nicht vom Zoll aufgehalten wurde. Eine große Erleichterung!


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Falls die Einfuhrabgaben bzw. Zollgebühren nicht beim Kaufvorgang einbehalten werden - beispielsweise, wenn man direkt bei jeffreestarcosmetics.com bestellt -, ist Folgendes zu empfehlen:
Man sollte in der Zeit, in der mit dem Eintreffen der Ware zu rechnen ist, täglich den Briefkasten überprüfen, denn man muss innerhalb weniger Tage auf den Bescheid vom Zoll reagieren: entweder hinfahren und die Sache persönlich regeln oder ein Formular für die nachträgliche Verzollung mithilfe von DHL ausfüllen und dieses mit Kopien der Rechnung in US-Dollar sowie der Paypal-Abrechnung mit Umrechnung in Euro zum Zollamt schicken, so dass dort nachvollzogen werden kann, was man tatsächlich in Euro bezahlt hat und um welche Art Waren es sich handelt.

Wenn der Zollwert unter 150 Euro liegt, wird nur die Einfuhrumsatzsteuer ausgerechnet, ansonsten fällt auch Zoll an. Beide Gebühren wurden gleich beim Zollamt kassiert oder, wenn man die Belege per Post ans Zollamt geschickt hat, kommt das Paket dann einige Zeit später per Nachnahme nach Hause und der Post-/DHL-Bote kassiert die Einfuhrabgaben plus eine Art DHL-Nachnahmegebühr für das Abkassieren im Auftrag des Zollamts.

Nachtrag am 23.12.2020:
Wenn man Pech hat, wirft der Postbote nur einen Zettel in den Briefkasten, man sei nicht dagewesen (obwohl man neben der Klingel auf ihn gewartet hat) und man solle zu einer Abholstelle kommen und das Paket abholen (Ehrlich? Wenn das so einfach wäre, dann hätte man es ja gleich selbst beim Zoll abholen können). Ich weiß nicht, was passiert, wenn niemand zum Abholen kommt, vermutlich wird das Paket an den Absender zurückgeschickt. Ich habe in der Situation ein Einschreiben per e-post an DHL geschickt, dass ich einen zweiten Zustellungsversuch wünsche - was auf dem Zettel nicht mal als Option angeboten wurde, obwohl man nicht nur die hohen Versandkosten beim Verkäufer bezahlt hat, sondern für die Nachverzollung mit Hilfe von DHL zusätzliche Abkassiergebühren anfallen. Tatsächlich wurde ein zweiter Zustellversuch unternommen und ich konnte mein Paket dann ein paar Tage später zufrieden in den Armen halten.)


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Bei einer meiner letzten Bestellungen in den USA habe ich erfolgreich versucht, unter 26,30 Euro (inoffizieller Schwellenwert zur Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer in Deutschland) zu bleiben. Es war schwierig, weil die Versandkosten von den USA in die EU sehr hoch sind und beim Zoll-Warenwert hinzugerechnet werden müssen. Es war in diesem Fall nur wegen eines Rabattcodes möglich, der vorher in Social Media für eine spezielle Aktion bekanntgegeben worden war. Und unglaublich aber wahr: Die Ware war 4 Tage nach der Bestellung bei mir - und ganz ohne Zoll-Tohuwabohu. Allerdings war ich überrascht, dass der von mir gewählte Standard-Versand tatsächlich von FedEx ausgeführt wurde. Ob mein sehr erfreuliches "Kundenerlebnis" eine Ausnahme oder ein Versehen war oder ob diese Liefergeschwindigkeit bei Gerard Cosmetics die Regel ist, weiß ich leider nicht.

Nur 4 Tage von Kalifornien nach Bayern: Zoll-Warenwert (nach 30 % Rabatt) zuzüglich Standard-Versandkosen (12 US-Dollar) insgesamt 27,40 US-Dollar (per Paypal gezahlt: 25,57 Euro). Ohne Zoll kann es also fix gehen - mit dem verblüffenden Tempo hat aber offensichtlich auch Gerard Cosmetics (Shipping Info) nicht gerechnet.
T-Shirt aus der Cherry Blossom-Kollektion von Gamer Ninja bei Killer Merch (Kalifornien). Wenn es sich wie in diesem Fall um eine Vorabbestellung (Preorder) handelt, kommt zu der üblichen Lieferzeit (und der langsameren Abwicklung durch Corona-Bestimmungen zur Gesunderhaltung des Personals) noch die Zeitspanne zwischen Bestelldatum und offiziellem Versandbeginn hinzu. 

Fazit

Bevor man im Nicht-EU-Ausland bestellt, sollte man sich fragen, ob die Produkte die Warterei, den möglichen zusätzlichen Aufwand (wenn man zum Zoll muss, weil der Versender die Abwicklung nicht übernimmt) und die zusätzlichen Kosten wert sind. Für langweilige Alltagsartikel würde ich mir das Tohuwabohu nicht antun, sondern nur für Besonderheiten.

Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man bei Online-Shops bzw. Retailern bestellen, die bei der Kaufabwicklung auch gleich die Zollgebühren berechnen, einbehalten und die Abführung übernehmen, so dass man sich nicht darum kümmern muss. (Tipp an die deutschen Fans von Jeffree Star-Kosmetik, die am Starttag neue Produkte bestellen wollen, die es in Europa dann eventuell noch nicht gibt: Bei dem von JSC autorisierten amerikanischen Händler Beautylish bestellen, denn dort zahlt man weniger Versandkosten, die Zollabwicklung wird automatisch übernommen und die Lieferung ist meiner Erfahrung nach schneller als bei JSC selbst. Siehe dazu auch: Soll man Make-up-Produkte von Jeffree Star bei Jeffree Star Cosmetics direkt oder bei Beautylish kaufen?)

Schön wäre es, wenn der deutsche Zoll die Abwicklung vereinfachen und kundenfreundlicher gestalten würde (Hallo, Digitalisierung!) - denn die Gebühren finde ich weniger belastend (wir zahlen hier ja auch Umsatzsteuer) als den Aufwand und die Angst, nicht rechtzeitig auf den Bescheid vom Zollamt reagieren zu können oder - wenn man die nachträgliche Verzollung per DHL in Anspruch nimmt - nicht zuhause zu sein, wenn die Ware gebracht wird (denn eine terminliche Ankündigung gibt es nicht) oder - was richtig ärgerlich ist - wenn man da ist, das Haus sogar tagelang nicht verlässt, um keine Lieferung zu verpassen, aber der Zusteller nicht klingelt, sondern einen Zettel in den Briefkasten wirft, man sei nicht dagewesen und müsse das Paket nun bei der Post abholen).

Ich fände eine Information per E-Mail, SMS o. A. und die Möglichkeit auf einer Zoll-Website online zu bezahlen (mit Angabe einer Vorgangsnummer o. Ä.) beispielsweise eine praktikable Lösung für viele Menschen und Unternehmen, die auch den Zoll entlasten würde.

* Werbelink

Disclaimer:
Die Regeln können sich ändern. Ich recherchiere zwar sorgfältig, aber alle Angaben hier sind ohne Gewähr.

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