Dienstag, 7. November 2017

Wie viel Prepper sollte man sein? Auf welche Katastrophen sollte man sich vorbereiten?

Seit der Ausstrahlung der ZDFinfo- Reportage Blackout - Deutschland ohne Strom vor ein paar Tagen (in der Mediathek noch bis zum 13.1.2018) überlege ich mal wieder, wie viel Vorbereitung auf einen Stromausfall oder schlimme Katastrophenfälle sinnvoll und notwendig ist. Und mich würde interessieren, wie andere mit dem Thema umgehen - ob sie sich vorbereiten oder die Gefahr ignorieren.

Bisher wusste ich von Bedrohungen unserer Zivilisation, der Menschheit und sogar der Erde vor allem durch Dokumentationen auf Privatsendern, die mich beim Zappen erschrocken innehalten ließen. Mit Bedrohungen meine ich nicht die Zerstörung allen Lebens durch Atomkriege oder dass die Erde durch Umweltzerstörung langfristig unbewohnbar werden könnte – mit diesen Damoklesschwertern sind viele von uns aufgewachsen und versuchen, es zu verhindern. Was mir aber bis vor ein paar Jahren unbekannt war, ist beispielsweise, dass ein großer Vulkanausbruch in Italien möglich ist, der sich wahrscheinlich auf ganz Europa auswirken würde, ebenso, dass ein großer Meteoriteneinschlag irgendwo auf der Erde auch bei uns gravierende Folgen haben würde und Ähnliches mehr. (Kleine Meteoriteneinschläge passieren mehrmals jährlich und haben kaum Auswirkungen, größere können u. U. das Klima für einige Jahre verändern, ein sehr großer vor 66 Millionen Jahren hatte zur Folge, dass alle Nicht-Vogel-Dinosaurier und viele andere Lebewesen ausstarben.)

Sollte man sich auf einen andauernden Stromausfall und Katastrophen vorbereiten?
Und wie viel Vorbereitung ist sinnvoll?
Die Gefahr eines Blackouts

Schon wesentlich kleinere Naturkatastrophen oder Ereignisse wie Blitzeinschläge, Orkane und Sonnenstürme könnten bei unglücklicher Verknüpfung der Umstände einen anhaltenden und flächendeckenden Ausfall der Stromversorgung zur Folge haben. Darüber hinaus sind Kraftwerke, Leitungsnetze und Schaltanlagen immer der Gefahr eines physischen Terrorangriffs und deren Software, beispielsweise zur Steuerung des Kraftwerks oder der Netzauslastung etc., sowieso fortwährend der Gefahr eines Hackerangriffs ausgesetzt. Auch Unglücke wie ein Flugzeugabsturz auf ein Kraftwerk sind nicht völlig auszuschließen. Die Wahrscheinlichkeit des einzelnen möglichen Ereignisses ist zwar extrem gering, aber da es viele verschiedene Ereignisse und Katastrophen gibt, die einen solchen Blackout zur Folge haben können, ist die Möglichkeit, dass er eintritt, nicht allzu unwahrscheinlich.

Ein Stromausfall hätte zur Folge, dass Aufzüge und viele öffentliche Verkehrsmittel wie U-Bahnen und Straßenbahnen sofort stehen bleiben. Menschen wären eingesperrt, Pendler kämen nicht nach Hause. Auch Krankenhäuser wären betroffen – Notstrom kann nur begrenzt aufrechterhalten werden und die indirekten Auswirkungen wie Probleme mit der Wasserversorgung und der Müllentsorgung sind außerhalb der direkten Kontrolle. Am schlimmsten aber wäre: Vieles, was für uns im Alttag selbstverständlich ist, würde ebenfalls sofort oder sehr bald nicht mehr funktionieren: Kochen mit Strom, strombetriebene Haushaltsgeräte, Heizanlagen (haben meist elektrische Zündung), Trinkwasserversorgung, Tanken, Geld abheben, Einkaufen (nicht mal die Türen, geschweige denn die Kassen würden funktionieren), Nutzung von Computern, TV-Geräten, Mobilfunkgeräten oder von stromnetzabhängigen Radios – all das würde nicht mehr funktionieren, wenn irgendetwas die Lebensader Strom unseres normalen Lebens kappen würde.

Stromausfall – wie bereitet man sich vor?

Was man auf jeden Fall für einen Stromausfall griffbereit haben sollte, sind Kerzen, Feuerzeuge, Batterie-Radio und batteriebetriebene Lichtquellen (Taschenlampe o. a.) mit ausreichend vielen Batterien. Für Akkugeräte mit USB-Anschluss o. Ä. ist eine Solar-Powerbank zum Aufladen* sinnvoll. Außerdem sollte man einen ausreichenden Vorrat an Nahrung, Wasser und Medikamente haben. Aber was ist ausreichend? Ich habe mir angewohnt, immer etwas mehr an Getränken und Lebensmitteln auf Lager zu haben, als ich bis zum nächsten Wocheneinkauf verbrauche. Bei den Lebensmittelvorräten achte ich darauf, dass man einen Teil davon (notfalls) ohne Kochen zubereiten und essen kann. Trotzdem frage ich mich immer wieder, für wie lange meine Getränke- und Nahrungsmittelvorräte denn reichen müssen. Wenn ich aufs Waschen und Abspülen zwecks Wassersparen verzichte, käme ich derzeit etwa eine Woche aus. Aber reicht das?

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Captain Jack Reynolds empfiehlt im Forum bei den Österreichischen Preppern Nahrung, Wasser und Medikamente für zwei Wochen zu bevorraten. Er rechnet 4 Liter Wasser pro Person pro Tag – im Winter ist das vielleicht etwas großzügig, aber im Sommer sind 4 Liter für Trinken, Mahlzeiten zubereiten etc. eher wenig – und aufs Waschen zu verzichten fällt im Sommer auch schwerer (und Hygiene ist in einem Katastrophenfall mit anhaltender Wirkung sehr wichtig).

Wasser für die Toilettenspülung hoffe ich, notfalls aus der nahe gelegenen Isar holen zu können – aber ob das realistisch, erlaubt und ungefährlich ist? (Am meisten fürchte ich, dass sich Menschen bei einer Katastrophe sofort in einem rechtsfreien Raum wähnen könnten und mit Überfällen, Plündern und Brandstiften beginnen, statt sich gegenseitig zu helfen).

Vielleicht braucht man doch einen Brauchwasser-Vorrat – ich fürchte nur, dass unsere Eigentümerversammlung dagegen wäre, wenn jeder Bewohner der Hausgemeinschaft zur Katastrophenvorbereitung eine Regentonne aufstellte oder Zisterne baute. Aber praktisch wäre es: Wenn man Regenwasser hätte, könnte man es zum Spülen in einem Eimer oder einer Schüssel verwenden und dieses Spülwasser nach dem Gebrauch für die Klospülung verwenden.

Jedenfalls erfordern die Vorräte an Trinkwasser, Nahrungsmitteln, Medikamenten und Sonstigem eine regelmäßige Überprüfung beziehungsweise müssen solche Vorräte, die nahe am Ablaufdatum sind, gegen neuere ausgetauscht werden und die alten im Alltag verzehrt/verbraucht werden.

Wer aufs Kochen aus gesundheitlichen Gründen nicht verzichten kann, müsste auch einen Gaskocher und Kartuschen bevorraten. Darauf verzichte ich - zur Not steht noch ein alter Dreibeingrill irgendwo rum -, aber wenn es ums Überleben geht, esse ich meine Suppe auch kalt mit Knäckebrot, Crackern oder Tortilla-Chips. Apropos: Mit Grill oder Camping-Gaskocher sollte man nur im Freien kochen.

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Allerdings liebäugle ich schon länger mit einer kleinen Solar-Inselanlage* für die Terrasse – mit der könnte man nicht nur in Stromausfallzeiten das Smartphone aufladen und Geräte mit 230V-Anschluss betreiben. Aber meine Terrasse ist klein und bei uns sind schon TV-Antennen und andere optische Hässlichkeiten verboten, jede bauliche Veränderung bedarf der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft. Im Alltag darf ich so eine Anlage wahrscheinlich nicht aufstellen, aber ich nehme an, dass in einem Notfall niemand lästern würde.

Wie bereitet man sich auf eine überraschende Evakuierung vor?

Bei manchem Ereignis (Bombenfund auf der Baustelle nebenan) oder bei mancher Katastrophe (Atomunfall in der Region, Hausbrand oder Hochwasser) muss man sein Zuhause fluchtartig verlassen - da hat man unter Umständen keine Minute Zeit, um zu packen, und es ist nicht einmal sicher, dass man sein altes Zuhause jemals im alten Zustand wiedersieht. Wie soll man sich darauf vorbereiten?

Sicherheitsdisketten von vielem, was ich beruflich brauche, habe ich zur Sicherheit an einem anderen Ort deponiert (oh je, die müsste ich auch schon längst mal wieder erneuern). Aber was kann man sonst noch tun?

Manche raten, für solche Fälle einen Rucksack mit dem Wichtigsten vorbereitet und griffbereit zu haben. Darin sollten sein: Handy oder Smartphone (mit Solar-Powerbank*), Block, Stifte, Taschenlampe, Proviant, Medikamente, Dosenöffner, Taschenmesser, wichtige Papiere (wenigstens in ausgedruckter Kopie), (Ersatz-)Kleidung, gutes Schuhwerk und Regenzeug. Wer damit rechnet, durch unbekannte oder straßenlose Gegenden ziehen zu müssen, braucht vielleicht sogar Kompass und Landkarte und natürlich auch ein brauchbares Erste-Hilfe-Equipment.

Bis jetzt habe ich gar keinen Notfallrucksack, lediglich ein kleines Köfferchen mit Unterwäsche und einem Schlafanzug fürs Krankenhaus, falls ich mal einen Blinddarmdurchbruch oder Unfall haben sollte. Doch ich überlege, ob ich meinen alten Reiserucksack aus jüngeren Jahren entsprechend für einen Sofort-Evakuierungsfall präparieren soll.

Wie viel ist hilfreich und sinnvoll und ab wann wird man zum freakigen Prepper?

Es gibt Menschen, die für sich, ihre Familie oder Gemeinschaft strahlensichere Bunker anlegen und diese mit Vorräten für Monate bestücken. Das scheint mir persönlich übertrieben viel Katastrophenvorbereitung, aber im Falle eines Falles haben sie womöglich recht. Letztendlich muss jeder Mensch oder jede Familie selbst entscheiden, für wie wahrscheinlich und anhaltend er/sie welche Katastrophen hält und ob und wie man sich darauf vorbereiten will. Da ich an einigen Stellen unsicher bin, was ich tun soll und was das richtige Maß ist, habe ich mir auf der Seite vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) den kostenlosen Ratgeber "Katastrophen" bestellt.

Der kostenlosen Ratgeber "Katastrophen" des BBK enthält viele Empfehlungen und Checklisten.
Nach der Lektüre des Katastrophen-Ratgebers des BBK weiß ich, dass noch mehr zu überlegen und vorzubereiten ist, beispielsweise eine immer griffbereite Dokumentenmappe, in dem man der Empfehlung des Amtes nach die wichtigsten Dokumente sammelt (von Geburtsurkunden im Original über Zeugnisse, Sparbücher etc. im Original oder als beglaubigte Kopie bis hin zu Personalausweisen, Zeugnissen, Rentenversicherungsbelege sowie Bescheide der Agentur für Arbeit in normaler Kopie - das sind nur Beispiele, die tatsächliche Liste ist ziemlich lang - ich fürchte, danach habe ich keinen Überblick mehr, was ich wo für welchen Fall eingeordnet habe).

Fazit: Die Vorbereitung auf einen andauernden Stromausfall oder Katastrophen erfordert einiges an Arbeit und Organisation. Aber andererseits: Je besser man selbst vorbereitet ist, sich und anderen zu helfen, desto besser können sich Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswert usw. auf andere wichtige Notmaßnahmen konzentrieren - und das kommt letztendlich allen zugute.

Und ihr/Sie? Zu welchem Schluss seid ihr/Sie gekommen oder verdrängt ihr das Thema lieber ganz?

* Werbelink/Affiliate-Link: Wer nicht möchte, dass ich ein paar Cent verdiene, wenn er/sie über einen solchen Link einkauft, bitte nicht über den Link einkaufen.

1 Kommentar:

  1. Wir beschäftigen uns auch gerade damit. Vorräte etc. haben wir, alles andere checken wir gerade...es kann nicht schaden und unsere Eltern haben das früher eigentlich auch gemacht.

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