Dienstag, 18. Dezember 2012

Eigenes Auto oder Carsharing?

Als Verbraucher hat man oft etwas zu meckern - und das zu Recht. Heute will ich mich allerdings mit mir selbst als Verbraucherin kritisch auseinandersetzen: Bin ich in der Lage, meine Flexibilität und Bequemlichkeit zugunsten von Ökogewissen, Sparen und Vernunft aufzugeben? Oder direkt: Kann ich auf mein eigenes Auto verzichten, nur weil es Sinn macht?

Eigentlich ist direkt vor unserem Haus eine Bushaltestelle, von der aus man mit dem Bus in wenigen Minuten zum Bahnhof oder in die Innenstadt kommt. Eigentlich ist der Bahnhof auch zu Fuß in 15 Minuten zu erreichen. Eigentlich arbeite ich von zu Hause aus und muss selten zu Kunden oder Veranstaltungen. Eigentlich spiele ich kaum noch Golf - und muss daher nicht mehr über Land zu Golfplätzen fernab von öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Eigentlich gibt es hier am Ort ein altbewährtes Carsharing-Projekt (Stadtteilauto Freising e. V.,), an dem ich vor Jahren schon einmal teilgenommen habe und zufrieden war. Eigentlich ist es für mich ein Luxus, ein eigenes Auto zu haben, da ich es im Durchschnitt nur einmal pro Woche kurz bewege und alle 6 Wochen mal etwas länger. Alle meine beruflichen und privaten Fahrten könnte ich auch anders organisieren. Eigentlich.

Muss ich ein eigenes Auto haben oder soll ich an einem
Carsharing-Projekt teilnehmen?

Aaaaber: Ich habe mich so daran gewöhnt, dass MEIN AUTO startbereit in der Tiefgarage steht. Ich freue mich, wenn ich es sehe und ich bin mir fast sicher: Hätte es einen Schwanz, würde es damit wedeln, wenn ich um die Ecke komme.

Besonders wenn es draußen so richtig saut oder ich ausnahmsweise einen schlechten Tag habe, ist MEIN AUTO (nennen wir es Charlie*) ein wunderbarer Trost: einfach schnell reinspringen, erledigen, was zu erledigen ist, und hinterher bequem und trockenen Fußes in der Tiefgarage wieder aussteigen. Gäbe es bei uns Drive-ins, würde ich an solchen Tagen das Shoppen gleich in Hausschuhen ... Okay, ich höre lieber auf, bevor man mich für dekadent hält.

Jedenfalls: Charlie zu haben ist schön. Schöner Luxus.

Und dieser Luxus hat seinen Preis:

  • Geld
    Etwa 3.500 Euro kostet ein eigenes Auto im Durchschnitt pro Jahr, steht auf der Seite von Stadtteilauto Freising e. V., einem Carsharing-Projekt. Ich hab's nachgerechnet: Ja, stimmt in meinem Fall (Leasingwagen/Mittelklasse) in etwa. Die Kosten beim Carsharing sind abhängig von den gefahrenen Kilometern. Carsharing lohnt sich laut Stadtteilauto Freising e. V., wenn man das Auto nicht täglich braucht und weniger als 12.000 Kilometer pro Jahr fährt. Trifft beides auf mich zu.
  • Freiheit
    Ich muss für das derzeitige eigene Auto 3.500 Euro unterm Strich jährlich erwirtschaften, bin also weniger flexibel, was die Art und Menge meiner Aufträge als Freiberuflerin angeht. Ich könnte mit dem Geld etwas anderes anfangen oder mir den Luxus leisten, weniger zu verdienen. Beim Carsharing zahle ich nur, wenn ich tatsächlich einen Wagen buche - was man aber zugunsten von öffentlichen Verkehrsmitteln erfahrungsgemäß immer öfter sein lässt. Ein weiterer Vorteil von Carsharing: Ich habe mehrere Autos in verschiedenen Größen und sogar einen Anhänger zur Verfügung. Außerdem kann man sogar verbilligt mit der S-Bahn fahren und noch einige andere Vorteile mehr. Buchen geht über Telefon und Internet.
  • Rechtfertigungen vor meinem Ökogewissen
    Jedes Auto verbraucht durch seine Herstellung und im Betrieb jede Menge Ressourcen und belastet die Umwelt. Ein Carsharing-Auto ersetzt laut Stadtteilauto ungefähr 6 Privatwagen.
Mein Leasing-Vertrag läuft im April aus - danach könnte ich das Auto übernehmen, den Vertrag verlängern oder beenden. Und mir fallen einfach nicht genügend Gründe ein, damit ich Charlie guten Gewissens behalten kann. Als ich das Auto anschaffte, war ich in einer anderen Situation und hatte auch auf das Finanzamt und die Absetzbarkeit von der Steuer gehofft. Aber der winzige Betrag, der in meinem Fall jährlich anerkannt wird, ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ich fürchte, es führt kein Weg dran vorbei: Ich muss Charlie abgeben, damit ihn jemand bekommt, der ihn dringender braucht. Aber traue ich mir den Entzug wirklich zu? Und wie soll ich das Charlie beibringen?

Wer plagt sich noch mit solchen Gedanken? Vielleicht sollten wir eine Selbsthilfegruppe gründen.

* Name von der Redaktion geändert

Kommentare:

  1. Nachtrag: Ich pack's nicht, das eigene Auto ganz aufzugeben, aber Charly's Nachfolger wird kleiner (sehr klein, aber süß), mit niedrigerem Verbrauch und niedrigeren Emissionswerten.

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  2. Das neue Auto kostete nur die Hälfte vom alten, ich bin allerdings auch noch weniger gefahren. Bald steht die Entscheidung an.

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